Nicht selten gehen die Ansichten über die Erziehung der Kinder weit auseinander. Schließlich haben wir alle sehr unterschiedliche Elternhäuser gehabt und demzufolge war die Erziehung, die wir „genießen“ durften sehr unterschiedlich. Was bedeutet das nun für die eigenen Kinder? 

Das Erziehen

Wenn wir unsere Kinder und Jugendlichen erziehen, orientieren wir uns vornehmlich an unserer eigenen Erziehung, die wir als Kinder im Elternhaus erlebten. 

Das eigne Elternhaus ist Vorbild und Schreckensbild zugleich. An keinem anderen Ort haben wir Erziehung erlebt. Auch später in der Schule war Kindererziehung nicht Bestandteil des Unterrichtes. 

Da wir Menschen gerne am Modell lernen, übernehmen wir dieses größtenteils auch. 

Wie war nun dieses Modell, dass uns unsere Eltern und Großeltern präsentiert haben? Nicht alles würden wir einfach übernehmen. 

Wie eine Eheberatung dabei hilft

In einer Eheberatung, in der die Partner über die Erziehung der Kinder streiten, frage ich immer beide Personen, wie sie ihr eigenes Elternhaus erlebt haben: Wie haben sie ihre Eltern erlebt? Waren / sind sie ein glückliches Paar? Haben Sie Geschwister und wenn ja, an welcher Stelle in der Reihenfolge stehen Sie? Eheberatung ist an dieser Stelle immer auch soziodemographisch orientiert. Welchen Bildungsstand hatten / haben die Eltern? Wie hoch war das Nettoeinkommen der Familie? Gab es Krankheiten oder Todesfälle in der Familie? Dieser Liste könnten wir noch sehr viele Fragen zufügen. Alle Antworten zusammen geben ein wichtiges Bild, für die Anamnese innerhalb einer Eheberatung, aber auch der folgenden Erziehungsberatung der Kinder und Jugendlichen. Wie eingangs erwähnt, lernen wir gerne am Modell. Das Modell hat, nachdem wir die Fragen beantwortet haben, einen sehr klaren Rahmen bekommen. Besser gesagt 2! Rahmen, denn der Rahmen meiner Partnerin / Partner unterscheidet sich ja oft wesentlich von meinen Rahmenbedingungen. 

Das alles brachten wir damals zur Passung, als wir ein Paar wurden… von wegen! 

Wir waren mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Kein Paar füllt Soziodemographische Fragebögen zur eigenen Herkunftsfamilie aus oder erstellt ein Sozio-Geno-Gramm (eine Arbeit, die ich regelmäßig in meiner Praxis mit Paaren zusammen erstelle), wenn es sich gerade näher gekommen ist. 

Die Paare wollen die Zeit miteinander genießen, wollen vielleicht Reisen oder Hobbys pflegen. Die Freunde und die Familien wollen auch noch betreut werden. Vielleicht heiraten sie. Nach einiger Zeit stellt sich Nachwuchs ein, möglicherweise wird jetzt ein Haus gebaut oder eine Wohnung gekauft. Ganz nebenbei wurde auch noch in die berufliche Karriere investiert:  Aus-, Fort- oder Weiterbildung waren auch noch dran. 

Die Rolle der Kinder

Und die Kinder? Es gilt als nahezu sicher, dass die Kinder jetzt kleine oder große Probleme schaffen werden. Alltägliche Dinge müssen ständig von den Eltern entschieden oder zumindest angeleitet werden: wann wird ein Kind vom Schnuller entwöhnt? Wann muss es mit Messer und Gabel essen können? Nimmt die Familie zusammen die Mahlzeiten ein oder nimmt sich jeder einfach, wenn der Hunger quält? Wieviel Süßigkeiten und wann verzehrt sind okay? Wann muss ein Kind ins Bett gehen? Gibt es immer eine Gute Nacht Geschichte und dürfen die Kinder zu jeder Zeit und so lange sie wollen ins elterliche Bett kommen? Gibt es eine religiöse Erziehung oder nicht, und wenn ja welche? Auch diese Liste könnten wir seitenweise aufstocken. 

Da die Ehe- Paare nun sehr unterschiedliche Prägungen in den eigenen Elternhäusern erlebt haben, möchte jede(r) seine /ihre als positiv in Erinnerung behaltenen Erziehungsmaxime realisiert wissen. Es muss zwangsläufig zur Auseinandersetzung, vielleicht auch zum Streit kommen. Und dann sitzen die Paare in meiner Eheberatung und erhoffen sich Hilfe. 

Meine erste Frage ist fast immer: nach welchem Erziehungsstil erziehen sie denn ihre Kinder? Achselzucken ist manchmal die Antwort… „ehrlich gesagt, darüber haben wir uns noch nie besprochen.“ Nun dann, frage ich Sie jetzt: „Sollten ihre Kinder nach einem autoritären Stil erzogen werden? Nein auf gar keinen Fall! Oder sollte es der in den 70 Jahren oft versuchte antiautoritärer Stil sein? Nein, Kinde brauchen doch Grenzen oder? Dann kommt für Sie vielleicht der autoritative Erziehungsstil in Frage? Nie gehört, was zeichnet diesen Stil aus?“ 

Zitat aus Wikipedia

„Als autoritative Erziehung bezeichnet man einen Erziehungsstil, der durch hohe Responsivität und hohe Kontrolle gekennzeichnet ist. Eltern, die ihre Kinder autoritativ erziehen, gehen liebevoll auf diese ein und üben gleichzeitig ein hohes Maß an Autorität aus.“ Kinder erhalten oft ein Maximum an Zutrauen. Ein Beispiel: der Umgang mit Werkzeug wird, unter Anleitung und Beobachtung durch die Eltern, Kindern gewährt, damit diese Selbstvertrauen und entsprechende Fähigkeiten ganz selbstverständlich erwerben können. Die Großeltern würden dem 4 Jährigen lieber den Hammer aus der Hand nehmen, „er könnte sich schließlich auf den Finger damit hauen.“  Ein klares Nein zur Nutzung einer Säge wird aber auch ausgesprochen und konsequent eingehalten, die Verletzungsgefahr steht in keiner Relation zum Erziehungsziel. 

Die Kinder werden oft von den Eltern angesprochen und eingeladen Dinge selbst zu tun, auch wenn viele Menschen der Meinung sind, dazu sind sie eigentlich noch viel zu klein. 

Im Gegenzug wird auch ein „Nein“ konsequent ausgesprochen und auch von beiden Eltern eingehalten. 

Der Umgangston, innerhalb der Familie, ist aber immer liebevoll und respektbetont. 

Ganz selbstverständlich sitzen diese Kinder nicht vor den Fernsehern oder IPhonen und verplempern ihre Zeit. 

Stattdessen ist Aktivität angesagt. Eigentlich ganz selbstverständlich und einfach oder?  

Doch wie sieht die Realität aus? Nicht ausgelastete Kinder machen mehr Probleme, als die liebevoll Betreuten. 

Viele Kinder haben heute motorische und sensorische Deifizierte, sie können nicht richtig sprechen und ihre sozialen Fähigkeiten sind auch nicht sonderlich entwickelt. Ein Teufelskreis. In der Eheberatung kommen solche Zusammenhänge zum Vorschein und können entsprechend korrigiert werden. Denn zur Korrektur, sind nur die Eltern fähig und auch aufgerufen. Ich habe viele Paare erlebt in denen einer oder beide Partner, keine Zeit mit den Kindern verbringen wollten oder konnten. Ein sehr sensibles Thema, denn Kritik an der eigenen Elternrolle oder an den eigenen Eltern lässt kaum jemand gerne zu. In einer Eheberatung sind allgemein Versprechen seitens des Therapeuten verpönt, dennoch möchte ich behaupten, wer sich sehr intensiv mit seinen Kindern auseinander setzt und diese liebevoll anleitet, wird seltener Probleme mit Ihnen haben. 

Letztlich sollte sich das Paar über den anzuwendenden Erziehungsstil klar sein und diesen natürlich auch kennen. Es schadet auch nicht eine Fachzeitschrift, wie „Eltern“ zu abonnieren und zu lesen. Sollten dann immer noch Unklarheiten zwischen den Paaren herrschen, können sie rechtzeitig Hilfe aufsuchen, zum Beispiel in einer Eheberatung.  

Erziehungsfragen bezüglich der Kinder, in meiner Praxis für Eheberatung
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