Erfahrungen & Bewertungen zu Lebenskonzepte Köln

In der Paartherapie / Eheberatung / Ehetherapie wird öfters von einem befremdlich wirkenden Verhalten des Partners oder der Partnerin berichtet. „In heiklen Situationen, etwa innerhalb oder nach einem Streit, verändert der Partner plötzlich die Stimme. Sie/er spricht plötzlich wie ein Kind zu mir. 

Wünsche oder Beschwichtigungen werden nicht mehr fordernd oder sogar aggressiv formuliert, sondern werden plötzlich in einer kindlich wirkenden Weise vorgetragen. Konkret: es wird zum Beispiel die normale Tonlage gegen eine höhere verändert. Die Grammatik der genutzten Sätze wird stark vereinfacht. Ferner können Mimik und Gestik und die Körperhaltung als kindlich erscheinen. 

Warum macht das der Partner nun von einem Moment auf den anderen? Liegt da vielleicht eine Art von Berechnung dahinter? Ist das ein Mittel, um vom eigentlichen Thema (dem Konflikt) abzulenken?

In der Psychotherapie spricht man von der „Theorie der Regression“. 

Unter einer Regression versteht man einen Abwehrmechanismus, der bewußt oder unbewußt angewandt wird, um mit Angst bezüglich der Triebwünsche bezogen auf das eigene „Es“  oder den Forderungen des eigenen „Über-Ich´s“  (nach der Psychoanalyse von Freud), fertig zu werden, bzw. diese zu regulieren. Dadurch meistern wir ein stückweit unser Leben bzw. die unangenehmen Anforderungen.

Der Klient verfällt, spontan in eine frühere Entwicklungsstufe zurück. Das fremdartig wirkende Verhalten, erinnert stark an die Sprache, Mimik, Gestik und die Bewegungen eines Kindes. Tatsächlich setzt der Partner diese veränderte Präsenz ein, um dadurch eine eigene Regulation der Stresssituation herbeizuführen.

Wahrscheinlich haben sich ähnliche Situationen in der Kindheit, durch diese Art der Kommunikation mit den Erwachsenen von damals reguliert. Der Klient hat dabei einen Vorteil durch sein Verhalten, in seiner Kindheit, erfahren. Der Partner/die Partnerin reagieren oftmals wunschgemäß auf das regressive Verhalten des Partners. Der Streit wird beendet oder zumindest aufgeschoben. Die Maßnahmen haben ihren Zweck erfüllt. 

Damals, als Kind, habe ich einen Vorteil durch ein kindliches Verhalten  registriert. „Man war mir nicht mehr böse, bzw. meine Wünsche wurden vielleicht doch noch erfüllt oder ich erfuhr einen Sonderstatus“. Auf jeden Fall war das Verhalten lösungsorientiert und führte zum gewünschten Erfolg.

Reagiert der Partner nun ebenfalls wunschgemäß „geht die Rechnung auf“.

„Ich kann dir einfach nicht mehr böse sein, wenn du so lieb bittest und diesen lieben Blick aufsetzt…“ Was wie ein harmloses Rollenspiel klingt, kann jedoch erste Konsequenzen für die Beziehung mit sich bringen. Immer öfter wird nun diese Methode, die Regression, eingesetzt, um von den Konflikten abzulenken. 

Erschwerend kommt noch hinzu, dass manchmal, wenn nach der „Aussetzung des Konfliktes durch eine Regression“ Sexualität folgt. Das Belohnungssystem im Gehirn, durch den Botenstoff Dopamin gesteuert, verbucht die erfolgreiche Regression, mit dem Erfolg über den Konflikt und dem wohligen Gefühl der erlebten Sexualität erfolgreich. Beide Partner lassen sich zunehmend auf diesen Lösungsweg ein. 

Nach einiger Zeit stellt sich jedoch die Frage, warum klären wir unsere Konflikte nicht mehr inhaltlich und emotional, sondern suchen zunehmend diesen Ausweg der Regulation?  Was geschieht, wen ein Partner sich nicht mehr auf das Angebot der „Regressions-Rolle“ einlassen möchte?

Eine wirkliche Bearbeitung der Konflikte und der negativen Themen, ist nicht (mehr) möglich und muss nunmehr erst wieder gelernt werden. Auch hier gilt: das regressive Verhalten wird langsam und stückweise durch ein „erwachsenes Verhalten“ ausgetauscht. [das Kinder-Ich ruhen lassen und das Erwachsenen-Ich stärken].

Regressives Verhalten finden wir auch in der Sexualität wieder. Unter dem Begriff des Infantilismus, finden sich Beschreibungen, die auf Klienten hinweisen, die sexuelles Erleben und Genießen mit stark kindlichen oder kleinkindlichen Verhalten verbinden. 

Was dem Betrachter lächerlich erscheint, ist jedoch für den Klienten ein reizvolles Erleben. Als Grund wird ein frühes, noch vor der Pubertät stattfindendes sexuelles Erleben angenommen. Infantilismus darf nicht mit Pädophilie verwechselt werden!

Gemeinsam mit der Regression im psychologischen Sinne ist der Umstand, dass die Klienten in der kindlichen Rolle Gefühle bearbeiten können, die in der „Erwachsenen Situation“ unbefriedigend oder beängstigend erscheinen. 

Da der Mensch sich gerne am Erfolg und Nicht-Erfolg orientiert, ist das Verhalten, sich zurück in die Kinderphase zu begeben von Erfolg geprägt. 

Die Erkenntnis, dass es ein regressives Verhalten sein kann, welches als problematisch für das Paar empfunden wird, kann bereits der Anfang einer lösungsorientierter Beratung bzw. Coachings sein. 

Falls Sie nun genau das in Ihrer Partnerschaft oder bei sich selbst feststellen, zögern Sie bitte nicht mich anzusprechen. Mit mir können Sie diese Phänomene behutsam besprechen. 

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