Erfahrungen & Bewertungen zu Lebenskonzepte Köln

Das Telefon klingelt und wir sagen schnell, „sag ich bin nicht da“ oder wir erklären unseren Freunden auf deren Einladung am Wochenende, dass es der Mutter nicht so gut geht und wir dort dringend hin müssten. Die Rede ist von der Lüge.

Ganz selbstverständlich kommt die Unwahrheit über unsere Lippen. Warum lügen wir und welche Auswirkung hat es auf unsere sozial Kontakte, allen voran unsere Familie und unsere Partnerschaft?

In meiner Praxis höre ich oft, dass die Paare sich nicht mehr vertrauen, dass sie sich öfters belogen haben. Das fängt mit kleinen (recht harmlosen) Schwindeleien an und endet manchmal mit schweren Konstrukten, die aus vielen einzelnen Lügen bestehen. Ein solches Konstrukt kann eine komplette zweite Identität mit einer zweiten Partnerin und deren Kindern bestehen. Konkret ist ein Mann oder eine Frau noch in einer Partnerschaft oder Ehe gebunden, hat jedoch eine zweite Beziehung fest installiert. Die Zweitbeziehung kann bereits Monate oder Jahre bereits existieren. In Amerika kommen solche kuriosen Doppel-Ehen zum Vorschein, wenn der Ehemann (oft sind es Männer, die dies tun) plötzlich versterben und zwei Familien glauben, nur sie wären die alleinige Familie des Verstorbenen. Spektakulär sind oft Trucker, die in zwei verschiedenen Bundesstaaten verheiratet sind und dort jeweils eine Familie führen. Das Meldesystem in den Staaten macht es möglich, solche Schlupflöcher zu nutzen. 

Sicherlich ist das ein besonderer Fall, den wir uns so, hier nicht vorstellen können. Dennoch haben viele Menschen hier eine zweite Partnerschaft oder Ehe in ihrem Leben integriert. Wenn nun der Partner / die Partnerin nichts davon ahnt, kommt der Übeltäter nicht ohne die Lüge aus. Er bzw. sie muss ein komplexes Lügengebäude aufbauen, damit die zweite Identität über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben kann. 

Oft wird viel in den Beziehungen gelogen, wenn es auch etwas gibt, das man verheimlichen muss. Eine Affäre zum Beispiel wird von einem Lügen-Konstrukt umgeben. Viele Menschen glauben, dass man mit einer Affäre nicht glücklich werden kann, da diese auf vielen Lügengeschichten aufgebaut wurde. Wenn es zum Eklat kommt und die Affäre kommt heraus, gehen viele Menschen eine neue Beziehung mit der ehemaligen Affäre ein. Nicht selten zieht gleichzeitig auch Misstrauen, Kontrolle und Eiversucht mit ein. Verständlich, haben doch beide Partner erlebt, dass zumindest einer der beiden Partner oder auch beide neuen Partner hervorragend lügen und täuschen konnten. Getreu dem Motto, wenn er oder sie den Ex-partner / Ex-partnerin über eine so lange Zeit erfolgreich belügen konnte und es ist nicht herausgekommen, wenn wir uns heimlich trafen, dann kann das der Partner auch mit mir so machen. Die Lüge hat ihr negatives Klima für die neue Beziehung schon ausgebreitet. Nicht selten geht eine Beziehung daran zu Grunde. 

Abgesehen von einer Affäre und der damit verbundenen Lügereien. Das Lügen begegnet uns auch im Alltag, wie bereits eingangs erwähnt, lässt man sich gerne einmal am Telefon verleugnen. 

Warum lügen so viele Menschen im Alltag? Damit sie besser dastehen können. Der Volksmund sagt „mehr seien als scheinen“. Wie oft wird im Gespräch ein Sachverhalt leicht verändert, damit der Sprecher sich in einem besseren, vielleicht interessanteren Licht da stellen kann. Aus dem Gespräch mit dem Chef, in dem man in Wirklichkeit den Kürzen gezogen hat, wird plötzlich eine robust Selbstdarstellung, die dem Zuhörer erklärt, man habe dem Chef mal ordentlich die Meinung gesagt. Ich kann also eine ordentliche Portion Bewunderung ernten, wenn ich gezielt aufschneide und die Wahrheiten etwas zu meinem Vorteil abwandle. 

Rückblick 

Babys kommen auf die Welt und nichts liegt Ihnen ferner, als zu lügen oder zu glauben, die Zuneigung und die Gefühle der Bezugspersonen seien gefälscht, seien gelogen. Erst später finden Kinder die Möglichkeit heraus, dass man auch ein Ziel erreichen kann, wenn man die Unwahrheit sagt. Ursprünglich sind Kleinkinder wahre Ehrlichkeitsfanatiker. Wir kennen Kindern, die erbost reagieren, wenn jemand etwas Unwahres erzählt. 

Der Grund für die bevorzugte Unwahrheit liegt in der Aufforderung sich „Recht fertigen“ zu müssen: 

Die Eltern verlangen Antworten, wie: hast du dein Zimmer aufgeräumt, hast du deinen Teller aufgegessen, hast du dein Fahrrad in den Keller gebracht, warum hast du auf dem Heimweg getrödelt, hast du Hausaufgaben auf, hast du für die Klausur schon geübt, was hast dein Lehrer auf…

Wir könnten diese Liste noch weiterführen. Anfänglich haben die Kinder wahrheitsgemäß geantwortet. Mit der Zeit haben sie jedoch gelernt, dass es manchmal sinnvoll ist, die Wahrheit etwas abzuwandeln. Haben wir damit schließlich noch Erfolg gehabt, in etwa so: wir haben keine Hausaufgaben aufbekommen… ist der weiteren Lüge Tür und Tor geöffnet. Ich kann mir mit einer geschickten Erklärung (Lüge) meine Freiheiten bewahren oder ich kann unangenehmen Fragen aus dem Weg gehen. 

Die Lüge wird ein ständiger Begleiter und ist immer eine Wahlmöglichkeit, in der Beantwortung von Fragen. 

In der Pubertät gibt es enorm viele Momente, in der die Lüge praktisch einsetzbar ist. Die vielen Geheimnisse, die man den Eltern nicht mitteilen möchte, verlangen nach einer Lösung, eben die Unwahrheit zu sagen. 

In der Partnerschaft bzw. Ehe ist man mehr oder weniger sehr geschickt im Umgang mit der Unwahrheit und mit dem Errichten von Lügengebäuden. 

Vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die möglichst nicht lügen, die es sich zur Maxime gemacht haben wenn irgendwie möglich die Wahrheit zu sagen. Sie sind dann ein gutes Vorbild für Ihre Kinder und vielleicht auch für ihren Partner / Partnerin. 

Wenn Sie beim Lesen dieses Artikels ihre eigene Lebensgeschichte bezüglich Wahrheit und Unwahrheit entdeckt haben, dann überlegen sie bitte in Ruhe einmal: wäre es nicht viel einfacher und entspannter, zukünftig auf die kleinen Schwindeleien zu verzichten und mit der Wahrheit durchs Leben zu gehen. Wenn nun ihr Partner / Partnerin auch so denkt, haben wir plötzlich vielmehr Sicherheit in unseren Beziehungen bekommen. Wir können uns nunmehr auf das Wort und auf die Gefühle des Partners verlassen. Wir werden nicht mehr zerrissen von Zweifel, Kontrollzwängen und Misstrauen. Unser Leben wird ruhiger und stressfreier und ganz nebenbei werden unsere Beziehungen auch stabiler. 

Es lohnt sich also darüber nachzudenken, ob wir unser eigenes Selbstkonzept nicht doch etwas überarbeiten können und wollen. 

Wenn Sie Fragen oder Anregungen zum Thema haben, freue ich mich sehr über Ihre Nachrichten. 

Ihr Georg Krause

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